Vor einigen Jahren begann ich, meine Mutter und meine Grosseltern zu filmen – aus einem Impuls heraus: Ihre Stimmen, ihre Geschichten und ihre Präsenz schienen mir wichtig. Ich stellte ihnen Fragen über ihr Leben, über das, was ihnen wichtig war: über ihre Eltern, ihre Werte und Träume, und auch über schwierige Entscheidungen. Sie begannen zu erzählen, ganz natürlich, als wäre das Bedürfnis, ihre Geschichte zu teilen, schon lange da gewesen. Vieles, was sie mir anvertrauten, hatte ich nie zuvor gehört.
Diese Aufnahmen sind für mich zu einem unschätzbaren Geschenk geworden. Sie helfen mir, mich an sie zu erinnern, zu verstehen, woher ich komme, und mich verbunden zu fühlen mit meinen Vorfahren.
Daraus ist der Wunsch entstanden, auch anderen Menschen zu helfen, ihre Lebensgeschichte zu erzählen und zu bewahren.
Als Dokumentarfilmer bringe ich viel Erfahrung im Einfangen von biografischen Ereignissen mit. Durch meine Auseinandersetzung mit Oral-History habe ich über viele Jahre eine eigene Form entwickelt, erzählte Geschichten erfahrbar zu machen – jenseits blosser Fakten, in der Tiefe von Erinnerung und Emotion.
Jedes Leben ist wertvoll, und jede Lebensgeschichte verdient es, erzählt zu werden. Oft entsteht im Prozess nämlich etwas ganz Kostbares – ein Moment der Würdigung, oder gar ein neuer Blick auf den eigenen Lebensweg. Und für Familie, Freunde, Kinder, Grosskinder und Urgrosskinder gibt es wohl kein grösseres Vermächtnis als die lebendige Erinnerung an einen Menschen mit seiner Stimme, seinen Gesten, seinem Wesen.
Ich danke allen, die mir ihr Vertrauen schenken. Jede Begegnung berührt auch mein eigenes Leben.
Vielleicht ist jetzt der Moment, Ihre Geschichte zu erzählen. Ich würde mich freuen, Sie dabei zu begleiten.
Janos Tedeschi (geb. 1983 in Basel, aufgewachsen im Tessin) ist Filmemacher, Biograf und künstlerischer Forscher. Sein jüngster Kinodokumentarfilm Erfinderin von Dazwischen (Co-Regie mit Christof Schaefer) entstand mit Unterstützung des Bundesamts für Kultur und in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen. Der Film begleitet über sieben Jahre hinweg die Schauspielerin Miriam Goldschmidt und den Theaterregisseur Peter Brook.
Nach einem interdisziplinären Studium in Komposition, Prozessgestaltung und Design vertiefte er sich an der Niederländischen Filmakademie in die Frage, wie sich mit filmischen Mitteln das Unsichtbare einfangen lässt: Erinnerung, Emotion, Wandlung.
Neben seinen eigenen dokumentarischen Filmprojekten arbeitet er regelmässig mit Autor:innen, Musiker:innen und anderen Kunstschaffenden zusammen – als Kameramann, kreativer Partner oder begleitender Blick von aussen.
